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Donnerstag, 27. September 2012

Audition


Ôdishon
Japan 1999
Regie: Takashi Miike
Darsteller: Ryo Ishibashi, Eihi Shiina u.a.

Vielleicht der beste Meta-Horrorfilm. Im Gegensatz zu den klassischen Vertretern dieser Filmgattung zielt Miike nicht auf eine simple Dekonstruierung der Mechanismen des Genres, sondern dorthin, wo's im wahrsten Sinne des Wortes wirklich weh tut: In die Mechanismen, welche uns Angst haben lassen. Angst, welche bekanntlich oft aus einer bestimmten Ungewissheit, einer bestimmten Ahnung entsteht. Man fühlt sich an Oldboy erinnert: Die Menschen haben nur Angst, weil sie zu viel Fantasie haben. Auch: Weil sie leichtgläubig sind. Der unerträgliche Schrecken, die höllischen Bilder einer perversen, völlig kranken Gefangenschaft funktionieren, weil wir bereit sind, sie zu glauben. Und so wie sich am Schluss die unweigerliche Frage stellt, was mit unserem doch so sympathischen Protagonisten denn nicht in Ordnung ist, müsste sich auch die Frage stellen, was in unseren Köpfen plötzlich geschehen ist. Und: Welche der Ebenen wünschen wir uns eigentlich zum Schluss? Sind die Monster jene, vor denen wir uns fürchten, oder sind wir die Monster, weil wir uns fürchten? Audition verstört und schmerzt, vor allem beschäftigt er jedoch, weil hinter seiner Grausamkeit eine noch größere Grausamkeit steckt: Die unsere. Das ist Genrekino bis in den letzten Winkel gedacht. Das ist Urhorror. 

9

Montag, 28. Mai 2012

Gozu


Gozu
Japan 2003
Regie: Takashi Miike
Darsteller: Hideki Sone, Sho Aikawa, Kimika Yoshino u.a.

Ein Werk, was zuweilen berauscht, zuweilen den Zuschauer aber auch ganz unsanft von sich stößt. Momente hypnotischer Alptraumhaftigkeit wechseln sich ab mit Momenten puren Unverständnisses für das Geschehen, doch die Hoffnung, das Ganze seie mehr als (Anti-)Kunst um der Kunst willen, will auch durch die perfidesten Abstrusitäten nicht sterben. Mit Recht: Nach einer Stolperodysse durch eine Realität gewordene Vorhölle, an dessen Unstetigkeit sich die Inszenierung teils auf quälende Weise ausrichtet, und der Teilnahme an einem schmerzvollen, gar infernalen physischen Showdown blicken Protagonist und Zuschauer etwas Wundervollem entgegen, was beglückt und entschädigt. 

Eine romantische Mysteryhorrorkomödie, die sich an jedes der Genres von hinten anschleicht und diese fröhlich vergewaltigt. Wer Miikes Art, Geschichten zu erzählen, akzeptieren kann, wird auch Gozu (der Titel verweist übrigens auf eine der feinsten Szenen des Films) akzeptieren müssen. Allen anderen bleibt dieser einzigartiger, hochverzwickter Zugang zu einem bekannten Thema wohl leider verwehrt. 

7