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Freitag, 4. Juli 2014

Abbitte


Atonement
Großbritannien 2007
Regisseur: Joe Wright
Darsteller: Saiorse Ronan, Romola Garai, James McAvoy, Keira Knightley u.a.

Tack-tack-tack-tack-tack rattert die Schreibmaschine die anfängliche Idylle zu Bruch, die Anschläge ähnlich den Bühnenbildern in Wrights späterem Anna Karenina: Ein System, ein Rahmen für die Geschichte, dessen Schluss man erahnen kann. Das Vorurteil, oder warum man einzelnen Bildern nicht trauen sollte, im Leben wie im Kinosaal. Briony (Saoirse Ronan beweist sich früh), dreizehn Jahre alt und mit mehr im Kindeskopf als gut für sie und alle anderen wäre, zieht Schlüsse aus Augenblicken und Konsequenzen aus ihren Gefühlen und verdammt damit ihre Schwester (Keira Knightly - es ist fast ein schlechtes Omen, wenn ihre Filmfiguren jemanden küssen) und ihren heimlich geliebten Robbie (James McAvoy sammelt wieder Pluspunkte) zu einer brutalen Trennung. Fünf Jahre später steht der Zweite Weltkrieg zwischen den drei Beteiligten und während Briony sich wortwörtlich das Blut von den Händen zu waschen versucht und ihre Schwester ihre Entschuldigungen nicht annehmen möchte, wandert Robbie wie durch einen (Alp-)Traum durch das rauchende Frankreich, in der Hoffnung auf die heimbringende Küste. Tack-tack-tack-tack-tack rattert die Schreibmaschine die Melodie der nicht erfüllten Wünsche, die Kamera findet die schönsten Bilder für die hoffnungslosesten Momente und wenn Robbie vor einer Kinoleinwand sein Gesicht in seinen Händen vergräbt, sollten wir wissen, dass Erlösung im Leben selbst am seltensten zu finden ist - aber es gibt ja gewisse Mittel und Wege. Joe Wright beweist sich als Garant für ansprechende Buchumsetzungen und präsentiert einen Liebes-, Schuld- und Sühnenfilm in großartigen Bildern (Kamera: Seamus McGarvey*), dessen Ende besser nicht hätte sein können. Das Leben und die Kunst - eine (Hass?)Liebe, an die man gerne erinnert wird.
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Weiterschauen: Anna Karenina (Wright),Wahnsinnig verliebt (Colombani)
*später auch für die Kamera in Anna Karenina sowie The Avengers und Godzilla verantwortlich.
- Ich mochte bisher alle gesehenen Joe Wright-Filme, aber Der Solist wirkt immer noch so ... Chance geben oder nicht?

7




Freitag, 14. Dezember 2012

Anna Karenina


Anna Karenina
Großbritannien 2012
Regie: Joe Wright
Darsteller: Keira Knightley, Aaron Taylor-Johnson, Jude Law, Matthew Macfayden u.a.

Im Anfang opulentes, prächtiges Theater, so inszeniert und eingeübt wie die darin porträtierte Gesellschaft: Schöne Kleider, bunte Feste, schneller Szenenwechsel, eine Komposition des schönen Lebens. So reißt der Film seinen Zuschauer in seine beinahe märchengleiche Welt, wo die Kamera schwungvoll von Szenerie zu Szenerie, von Dekoration zu Dekoration gleitet, während sich die Welt mit den Schritten der Protagonisten entfaltet. Nur das pechschwarze Gesicht eines Arbeiters lässt vermuten, was hinter den Kulissen passieren mag - und ein blutiger Unfall zeigt, dass das Stück doch im Leben stattfindet. Dann macht sich Anna auf eine schmerzhafte Reise, wenn das Spot(t)licht der Gesellschaft ihr den Weg in die Finsternis und die Verzweiflung weist. Irgendwann wirkt der Film quälend langsam, quälend zerrissen und man sehnt sich nach dem Elan des Anfangs. Aber das ist kein Schwachpunkt, sondern nur die logische Konsequenz: Am Ende sind wir aus der Bühnenillusion eines Lebens in dessen Off angekommen - ein Weg aus der Überinszenierung in die Realität, gleich dem Wege Annas. Somit ist Anna Karenina nicht bloß ein sehr schön, sondern auch ein sehr intelligent inszeniertes Werk. Und nachdem der Zug des Lebens den Traum überholt hat, erscheint eine mögliche Erlösung in den goldfarbenen ländlichen Feldern, wo man das Leben lebt, anstatt es zu spielen - ganz im Sinne Tolstois. Die tolle Besetzung tut ihr Übriges für den Kinogenuss: Knightley passt bereits optisch perfekt in das Liebesmärtyrium, Law überzeugt mit gequälter Beherrschung und Macfayden ist vielleicht der beste Russe, den ein Nichtrusse jemals gespielt hat. 

7